zondag 26 februari 2017

Cannabis auf Rezept für Schwerkranke freigegeben

Schwerkranke Menschen können künftig medizinisches Cannabis auf Rezept erhalten. Der Bundesrat winkte den im Januar verabschiedeten Gesetzesentwurf durch, nach welchem Krankenkassen nun die Kosten für Cannabisblüten und Cannabisextrakte in standardisierter Qualität übernehmen müssen. Bislang benötigten Patienten eine Ausnahmeerlaubnis des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und mussten die entsprechenden Medikamente selber bezahlen.

Ärzte, die von einer Cannabis-Therapie eine positive Wirkung auf Symptome oder den allgemeinen Krankheitsverlauf ihrer Patienten erwarten, können ihnen nun Cannabis auf einem Betäubungsmittelrezept verschreiben. Dies betrifft zum Beispiel Menschen, die an chronischen Schmerzen, Multipler Sklerose oder Epilepsie leiden.

Als Rauschmittel bleibt Cannabis weiterhin illegal. Die Aufsicht über den Anbau von medizinischem Cannabis übernimmt das BfArM. Auch den Ankauf und die Verteilung an Hersteller und Apotheken liegt in der Obhut der Arzneimittelbehörde.

Was man über Hanf als Nutz- und Arzneipflanze wissen muss, erfahren Sie in den folgenden Zeilen.

Ein echter Allrounder

Cannabis ist der wissenschaftliche Name für die Pflanzengattung Hanf, zu der zwei Arten zählen: der gewöhnliche Hanf (Cannabis sativa) und der indische Hanf (Cannabis indica). Ursprünglich stammt die einjährige Krautpflanze mit den typisch handförmigen Blättern aus Zentralasien. In China wird Hanf schon seit Jahrtausenden geschätzt: Seine Stängel dienen mit ihren robusten Fasern zur Herstellung von Textilen, ihre wohlschmeckenden Samen als Nahrung.

Auch aus Europa war die Pflanze bald nicht mehr wegzudenken: Im Mittelalter war Hanf Bestandteil vieler Waffen – so stellte man zum Beispiel die Sehne des Langbogens aus seinen Fasern her. Beschrieben wird hier ebenso seine medizinische Wirkung: zur Linderung von Wehenkrämpfen und nachgeburtlichen Schmerzsymptomen. Auch der berühmte erste Buchdruck durch Gutenberg 1455 wäre ohne das Papier aus Hanf wohl nie realisiert worden.

THC und sein therapeutischer Nutzen

Wie aber kann sich die Medizin die Vorzüge des Hanf zunutze machen? Hauptsächlich wirksam sind die Cannabinoide, von denen sie über 60 verschiedene Typen enthält. Ihre prominenteste Erscheinungsform ist sicher Δ9-tetrahydrocannabinol, meist einfach als THC abgekürzt. Je nach Art der Zubereitung variiert der Anteil an THC: In den getrockneten Blüten (Marihuana) wird ein Gehalt von 10 - 20% angegeben, in aus Harz (Haschisch) hergestelltem Öl sogar 15 - 30% (manchmal sogar bis 65%). Seine Wirkung entfaltet THC im Körper an Rezeptoren, an die auch vom Körper selbst hergestellte Cannabinoide (Endocannabinoide) angreifen. Doch die Komplexität dieses Systems ist bei weitem noch nicht erforscht.

In Deutschland kann eine ärztlich überwachte Therapie (nur durch Betäubungsmittelrezept) mit reinem THC-Extrakt (Dronabinol), mit synthetischem THC (Nabilon) oder mit Cannabisextrakt als Mundspray erfolgen. Die Einsatzgebiete sind breit gefächert: Verkrampfungen oder Schmerzen infolge von Multipler Sklerose, chronische Schmerzen bei Krebs- oder Rheumapatienten, Übelkeit und Erbrechen bei Zytostatikatherapie. Eine Überdosierung ist außerdem kaum möglich, wenn der Wirkstoff kontrolliert gegeben wird.
Die Kehrseite der Medaille

Bei all seinen Vorzügen – Cannabis hat natürlich nicht nur positive Seiten. Die Cannabinoide beeinflussen fast alle Organsysteme, so auch das Herz-Kreislauf-System: Das Herz schlägt schneller (teilweise bis zu 160 Schlägen pro Minute) und die Gefäße erweitern sich, am Eindrucksvollsten ist dies an einer geröteten Bindehaut zu sehen. Bei Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen, z.B. Herzinfarkten, kann die Belastung zu hoch sein.

Als therapeutische Maßnahme besonders fragwürdig erscheint die Praxis des Marihuanarauchens. Der reine Cannabisrauch von Joints ist dem von Tabak in der Zusammensetzung sehr ähnlich. Mit der Ausnahme, dass er kein Nikotin enthält. In ihm kommen unter anderem Kohlenstoffmonoxid und Teer vor. Es fehlen derzeit noch Langzeitstudien, aber Forscher vermuten, dass Lungenkrebs und chronische Bronchitis bei täglichem Cannabiskonsum genauso häufig auftreten wie bei Zigarettenrauchern. Dennoch ist Cannabis für viele Patienten oft ein zuverlässiges Mittel zur Bewältigung ihres Leids. Mit der neuen Gesetzgebung wurde jetzt ein wichtiger Schritt getan, um Schwerkranke vor der Kriminalisierung zu schützen.

Quellen:

  • https://www.aponet.de/aktuelles/ihr-apotheker-informiert/20170211-thema-der-woche-cannabis-auf-rezept.html
  • Ashton, C. Heather. "Pharmacology and effects of cannabis: a brief review." The British Journal of Psychiatry 178.2 (2001): 101-106.
  • "Das therapeutische Potential von Cannabis und Cannabinoiden." Deutsches Arzteblatt International 2012; 109(29-30): 495-501

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